banner-neu.gif
  • Apothekerin Julia Schulz e.Kfr.
  • Alte Mälzerei 1-3
  • 67245 Lambsheim

Diphtherie: Symptome und Behandlung

Die Diphtherie ist eine akute, manchmal lebensbedrohliche Infektionserkrankung, die durch das Gift (Toxin) des Diphtherie-Bakteriums ausgelöst wird. Eine Impfung kann schützen
von Dr. med. Alexandra Kirsten, 15.01.2013

Diphtherie beginnt meist allmählich mit Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, leichtem Fieber und Schluckbeschwerden

Mauritius/Onoky/RYF

Die Infektion die als Rachen-, Kehlkopf-, Nasen- und Wunddiphtherie auftreten kann, war bis vor Einführung der Impfung eine der gefürchtetsten Kinderkrankheiten. Auch im Erwachsenenalter sterben viele Patienten daran oder erleiden einen Herzmuskelschaden.

Seit den 1950er Jahren erkranken durch eine hohe Impfbeteiligung in Deutschland immer weniger Menschen. Allerdings ist die Diphtherie nicht ausgerottet. "Sie ist lediglich mehr oder weniger aus unserem Bewusstsein als gefährliche Erkrankung verschwunden", sagt Dr. Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau in Berlin. "Sinkt die Impfrate, kann sich auch die Diphtherie schnell wieder ausbreiten".

Vorkommen: Wo kann man sich mit Diphtherie anstecken?

Die Diphtherie tritt weltweit auf. In Teilen Osteuropas, Afghanistan, Indien und in einigen afrikanischen Ländern ist die Erkrankung auch heute noch häufig. Seit Ende der 1980er Jahre kommt es durch eingeschleppte Fälle auch in den westlichen Industrieländern wieder zu einer deutlichen Zunahme der Infektionen.

Diphtherie-Erreger unter dem Mikroskop

Your Photo Today/BSIP

Ursachen: Was führt zu Diphtherie?

Das Diphtherie-Bakterium (Corynebacterium diphtheriae) wird vorwiegend durch Tröpfcheninfektion mit der Atemluft übertragen. Dies kann zum Beispiel durch Husten, Niesen und Küssen geschehen. Die Haut-/ Wunddiphtherie wird durch direkten Kontakt übertragen. Auch gesunde Menschen ohne Impfschutz können den Diphtherie-Erreger unerkannt im Nasen-Rachen-Raum tragen und ihn so weiterverbreiten.

"Jede Person ohne Impfschutz kann nicht nur erkranken, sondern auch andere Personen anstecken. Besonders für alte Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen ist das mit besonderen Gefahren verbunden", erklärt Jochum.

Symptome: Was sind die ersten Anzeichen der Diphtherie?

Etwa zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung beginnt die Krankheit meist allmählich mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, leichtem Fieber bis 39°C und Schluckbeschwerden. Es kommt zu Heiserkeit, Atembeschwerden und Lymphknotenschwellungen.

Schließlich entsteht eine Mandel- und Rachenentzündung mit festen grau-weißlichen Belägen, den sogenannten Pseudomembranen. Diese Beläge entstehen durch das Bakteriengift, das die oberen Schleimhautschichten zerstört. Bei dem Versuch, sie zu entfernen, kommt es zu Blutungen. Als schwerwiegende Komplikation kann der Hals im Verlauf der Erkrankung so stark anschwellen, dass es zur Verlegung der Atemwege und zum Ersticken kommen kann.

Charakteristisch ist ein süßlicher Mundgeruch, der vom erfahrenen Arzt bereits in einigem Abstand wahrgenommen und zugeordnet werden kann.

Mit dem Blutstrom gelangt das Bakteriengift unter Umständen auch zu entfernt von der Entzündungsstelle liegenden Organen, wie beispielsweise Herz, Leber und Niere. Dies kann zu den gefährlichen Komplikationen, wie Herzmuskel-, Nieren- und Nervenentzündungen führen.

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Diphtherie fest?

Eine erste Diphtherie-Diagnose kann der Arzt meist schon aufgrund der Symptome stellen. Zur Diagnosesicherung wird ein Abstrich der Schleimhautbeläge genommen und im Labor auf Diphtheriebakterien untersucht. Da dieser Nachweis einige Tage dauern kann, beginnt der Arzt aber schon im Verdachtsfall mit der Therapie.

Beratender Experte: Priv.-Doz. Dr. med. Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau in Berlin

W&B/Privat

Therapie: Eine rasche Behandlung ist wichtig

Für eine gute Prognose der Erkrankung ist ein rascher Therapiebeginn entscheidend um die Ausbreitung des Diphtherietoxins zu verhindern. Zur Behandlung gibt man daher bereits bei Verdacht das Diphtherie-Antitoxin, ein Gegengift. Das Gegengift bindet die Bakterientoxine und macht sie dadurch unschädlich. Dies funktioniert allerdings nur solange das Erregertoxin noch nicht an die Zellen gebunden ist. Daher ist eine frühe Behandlung wichtig. Zusätzlich werden Antibiotika verabreicht, die den Erreger abtöten und dadurch helfen, die Toxinbildung zu verringern.

Bei Verschluss der Atemwege muss ein Luftröhrenschnitt erfolgen. Strenge Bettruhe für fünf bis sechs Wochen ist notwendig, um die Gefahr einer Herzschädigung zu minimieren. An Diphterie erkrankte Personen werden in der Klinik behandelt und isoliert, um weitere Personen vor einer Ansteckung zu schützen.

Impfung: Schutz vor der gefährlichen Infektionskrankheit

Dank der Impfung, der Therapie mit Antibiotika und der Entwicklung des Gegengifts ist die Diphtherie heutzutage weniger bedrohlich als früher. "Aber gerade weil die Schrecken von Infektionserkrankungen – wie auch der Diphtherie – durch die Impfungen und die guten medizinischen Versorgung in Mitteleuropa fast vergessen sind, ist es besonders notwendig immer wieder daran zu erinnern und auf den Nutzen von Impfungen hinzuweisen", erklärt Jochum. "Impfungen nach dem Plan der Ständigen Impfkommission (STIKO) schützen den Einzelnen und die Gemeinschaft", sagt der Experte für Kinderkrankheiten.

Die Diphtherie-Impfung von Kindern sollte mit dem zweiten Lebensmonat beginnen. Die Kinder bekommen hierfür drei Injektionen im Alter von 2, 3 und 4 Monaten. Zur vollständigen Grundimmunisierung ist eine weitere Impfung im Alter von 11–14 Monaten nötig. Danach werden Auffrischimpfungen mit  5 bis 6 Jahren und 9 bis 17 Jahren empfohlen. Erwachsene mit vollständiger Grundimmunisierung benötigen eine Auffrischungsimpfung alle 10 Jahre.

Eine überstandene Diphtherie-Erkrankung schützt nicht davor, sich erneut anzustecken. Auch ehemalige Diphtherie-Patienten sollten sich daher impfen lassen. Zur Impfung berät der Arzt.

Quellen
Diphtherie. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de. (Stand: 15.12.2009)
RKI: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut / Stand: Juli 2012. Epid Bull 2012; 30: 283-310
World Health Organzation, Immunization surveillance, assessment and  monitoring http://www.who.int/immunization_monitoring/diseases/diphteria/en/index.html (Stand 27.09.12, Zugriff 24.11.12)
Berufsverband Deutscher Internisten, http://www.internisten-im-netz.de (Zugriff 24.11.12)
Herbert Hof, Rüdiger Dörris, Medizinische Mikrobiologie: Immunologie, Virologie, Bakteriologie, Mykologie, Parasitologie, Klinische Infektologie, Hygiene, Thieme, Stuttgart (25. März 2009)

(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Your Photo Today/BSIP, W&B/Privat, Mauritius/Onoky/RYF

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Frau hält sich beim Husten die Hand vor den Mund

Erkältung

Husten, Schnupfen, Heiserkeit – was hilft gegen Erkältung? »

Hintergrund

Impfung

Impfungen

Welche Schutzimpfungen für Kinder und Erwachsene empfohlen werden »

Zum Nachlesen

Streptokokken und Antikörper

Infektionen erkennen

Infektionskrankheiten zählen zu den häufigsten Todesursachen weltweit »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages