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Atemnot – Ursachen: Erkrankungen der Muskeln, Nerven und des Skeletts

Ohne Muskeln keine Atmung. Das bedeutet im Umkehrschluss: Störungen der Muskeln und Nerven können die Atmung erschweren oder sogar gefährden
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 17.02.2016

Der größte Atemmuskel, das Zwerchfell, bewegt bis zu zwei Drittel der Atemluft. Beim Einatmen zieht es sich zusammen, die Lungen dehnen sich nach unten aus. Die Atemhilfsmuskeln des Brustkorbs unterstützen die Atembewegungen.

Die Atemmuskeln sind willkürlich aktivierbar. Grundsätzlich sorgt aber das Gehirn mit seinen Impulsen dafür, dass wir nicht ans Atmen denken müssen und automatisch regelmäßig Luft holen.

  • Muskelschwäche oder Lähmungen können auch die Atemmuskulatur betreffen. Beispiele hier: Die Poliomyelitis ("Polio", Kinderlähmung), die durch die Impfung bei uns stark zurückgedrängt wurde, in anderen Ländern wie Afghanistan, Pakistan und Nigeria dafür nach wie vor präsent (endemisch) ist, sodann neuromuskuläre Erkrankungen, die mit Muskelschwäche und Muskelschwund einhergehen, oder auch Myasthenia gravis. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse, Alkoholmissbrauch oder verschiedene Medikamente können die Muskeln beeinträchtigen.

    Symptome: Ist die Atemmuskulatur geschwächt, kommt es zu einer Atemschwäche (Hypoventilation) und subjektiv zu Atemnot: Die Atmung ist hier durchgehend unzureichend und kann den nötigen Gasaustausch nicht mehr gewährleisten. Weitere Symptome hängen von der Grunderkrankung ab.

    Therapie: Bei unzureichendem Gasaustausch ist eine Beatmung nötig. Die Grunderkrankung wird so gezielt wie möglich behandelt. Eine wichtige Rolle spielt auch die physikalische Therapie.

    - Zwerchfell-Lähmung:
    Zwerchfell-Lähmungen treten meistens auf einer Seite auf. Manchmal sind sie angeboren. Häufigste erworbene Ursachen sind Tumoren, die den Zwerchfellnerv bedrängen, zum Beispiel eine Krebsgeschwulst in der Lunge oder ein erkrankter Lymphknoten. Mitunter werden Virusinfekte als Ursache verdächtigt. Im Zusammenhang mit einer Infektion (Viren, Bakterien, vor allem Atemwege und Magen-Darmtrakt) kann sich ein sogenanntes Guillain-Barré-Syndrom (GBS) entwickeln, das mit aufsteigenden Lähmungen einhergeht: Gangstörung, Blasen- und Darmstörung, geschwächte Atem- und veränderte Herztätigkeit, Gesichtslähmung, mitunter auch Sprech- oder Schluckstörung. Das Bewusstsein ist nicht beeinträchtigt.

    Mitunter tritt eine Zwerchfell-Lähmung im Zuge einer schmerzhaften Schulter-Arm-Schwäche (Armplexusneuritis oder neuralgische Schulteramyotrophie) auf, denn der Zwerchfellnerv ist Teil des Armnervengeflechtes (= Plexus). Gelegentlich lassen sich starke Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule als Ursache feststellen. Auch ein Eingriff (etwa in der Hypothermie- oder Kühlungsphase bei Herzoperationen) oder eine Verletzung, etwa eine Querschnittlähmung (beidseitig), kann verantwortlich sein. Atemlähmungen durch Gehirnerkrankungen sind hier kein Thema.

    Symptome: Eine einseitige Zwerchfell-Lähmung bemerken die Betroffenen kaum. Bei körperlicher Belastung oder eingeschränkter Atemkapazität kann Atemnot auftreten. Wenn die Lunge auf der entsprechenden Seite etwas schlechter belüftet wird, neigt sie vermehrt zu Entzündungen durch Infektionen. Falls die Lähmung beide Seiten betrifft, kommt es zwangsläufig zu Atemnot, besonders im Liegen (die Betroffenen können nicht in Horizontallage schlafen, da der Zwerchfellmuskel in einer bestimmten Schlafphase der einzig aktive Atemmuskel ist). Bevorzugte Haltung hier: ein aufrechter Oberkörper und Atmen mit aufgestützten Armen, um die Hilfsmuskeln der Atmung besser zu nutzen. Komplikationen an den Lungen sind außer den schon genannten Infekten Veränderungen wie Atelektase und Fibrose (siehe jeweils unter "Atemnot – Ursachen: Lungenerkrankungen" in diesem Beitrag).

    Diagnose, Therapie: Die Röntgendurchleuchtung des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung lassen bei einseitiger Zwerchfelllähmung eine gegensinnige Zwerchfellbeweglichkeit auf der rechten und linken Seite erkennen. Das gelähmte Zwerchfell steht etwas höher. Hinzukommen Messungen bestimmter Atemfunktionen und Atemdruckwerte, die hauptsächlich vom Zwerchfell erzeugt werden, eventuell eine Untersuchung im Schlaflabor. Bei Verdacht auf ein GBS ist unter anderem eine Hirnwasseruntersuchung sinnvoll. Hochdosierte Gabe von Immunglobulinen über die Blutbahn oder eine Plasmaaustauschbehandlung (Plasmapherese) sind etablierte Behandlungswege bei Patienten mit ausgeprägtem Krankheitsverlauf; in der akuten Phase werden sie intensivmedizinisch betreut.

    Je nach Ursache und Ausprägung kann die Lähmung sich nach gewisser Zeit wieder zurückbilden, auch bei einem GBS. Wenn eine einseitige Lähmung Beschwerden macht, ist es möglich, das Zwerchfell operativ zu raffen. Bei beidseitiger Zwerchfell-Lähmung kann im Einzelfall eine Schrittmacherbehandlung (phrenic-nerve-stimulation, PNS) möglich sein. Dazu müssen zum Beispiel Zwerchfellnerven und Zwerchfell sowie und die Lungen prinzipiell funktionstüchtig sein. Das Verfahren ist an ein erfahrenes Zentrum gebunden.
  • Verformung des Brustkorbs: Formanomalien des Brustkorbs können die Atmung mechanisch behindern und zu Atemnot führen. Die verschiedenen Formen der Skoliose spielen hier zum Beispiel eine Rolle. Am häufigsten kommt im Wachstumsalter die Skoliose unbekannter Ursache (idiopathisch) vor.

    Wenn es im Rahmen der Skoliose zu einer deutlichen Verdrehung (Torsion) der Brustwirbelsäule und der Rippen kommt, kann das die Funktion der Brustorgane, vor allem von Herz, Lungen und Zwerchfell, behindern. Manchmal entsteht sogar ein Lungenhochdruck. In der Regel werden die Betroffenen von Kindesbeinen an engmaschig von ihrem Orthopäden betreut. Zeichnet sich eine Verschlechterung der Skoliose ab oder liegt beispielsweise eine Muskel- oder Nervenstörung zugrunde, streben die Ärzte rechtzeitig eine Operation an. Dadurch lässt sich auch die Entwicklung von Atembeschwerden verhindern.

    Mehr zu diesem Thema, insbesondere auch zur Therapie, im Beitrag "Skoliose".

    Eine ausgeprägte Trichterbrust kann ebenfalls die Atmung beeinträchtigen. Mit einer Operation lässt sich das beheben. Bei einer fortgeschrittenen Bechterew-Erkrankung engt mitunter eine versteifte Brustwirbelsäule die Atmung ein; außerdem entwickelt sich manchmal eine Lungenfibrose. Heute behandeln die Ärzte daher oft schon frühzeitig mit Medikamenten, um das Leiden unter Kontrolle zu halten.
  • Auch Verletzungen des Brustkorbs, etwa Rippenbrüche, können das Atmen erschweren.

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